Laut einer Studie der Aalto-Universität können KI-Tools dazu führen, dass wir unsere kognitiven Fähigkeiten falsch einschätzen. Im Allgemeinen neigen Menschen dazu, sich selbst als „etwas besser als durchschnittlich“ einzuschätzen. Dieses Phänomen ist besonders bei Personen mit schlechten Leistungen in kognitiven Tests stark ausgeprägt und wird als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet. Mit anderen Worten: Menschen mit geringeren Fähigkeiten überschätzen oft ihre Fähigkeiten, während Menschen mit höheren Fähigkeiten eher unter ihrer tatsächlichen Leistung bleiben.

AI-Roboter im Vorstellungsgespräch, Verhandlung

Quellenhinweis: Das Bild wurde von KI generiert. Der Bildlizenzgeber ist Midjourney.

Doch die neue Studie der Aalto-Universität zeigt, dass dieser Effekt bei großen Sprachmodellen wie ChatGPT nicht gilt. Die Forscher fanden heraus, dass alle Nutzer, unabhängig von ihrem KI-Wissen, tendenziell ihre eigene Leistung überbewerten, wenn sie KI verwenden. Besonders jene Nutzer, die sich selbst als besonders kompetent im Umgang mit KI betrachten, neigen stärker zu Übermut.

Die Forscher betonten, dass diese Erkenntnis überraschend sei, da man normalerweise erwarte, dass Nutzer mit KI-Erfahrung sowohl bessere Ergebnisse erzielten als auch eine genauere Einschätzung ihrer eigenen Leistung hätten. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Studie zeigte, dass zwar Nutzer von ChatGPT bei den Aufgaben besser abschnitten, sie aber häufig zu optimistisch über ihre eigene Leistung waren.

Zudem betont die Studie die Bedeutung von KI-Kompetenz und weist darauf hin, dass aktuelle KI-Tools die metakognitive Fähigkeit der Nutzer (also das Bewusstsein ihres Denkprozesses) nicht effektiv fördern, was zu einem „intellektuellen Rückgang“ bei der Informationsbeschaffung führen könnte. Daher fordern die Forscher die Entwicklung neuer Plattformen, die Nutzer ermutigen, über ihre Denkprozesse nachzudenken.

In dem Experiment ließen die Forscher etwa 500 Teilnehmer, ChatGPT zur Lösung logischer Aufgaben des Law School Admission Test (LSAT) zu verwenden. Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Nutzer nur eine einzelne Frage an ChatGPT stellten und nicht tiefgründig über die Antworten nachdachten oder sie überprüften. Die Forscher bezeichnen dieses Phänomen als „kognitive Entlastung“, das die genaue Einschätzung der eigenen Fähigkeiten möglicherweise einschränkt.

Um dieses Problem zu lösen, schlagen die Forscher vor, dass KI aktiv fragen könnte, ob die Nutzer ihren Denkprozess weiter erklären können, um sie so tiefer in die Interaktion mit der KI einzubeziehen und ihre kritische Denkfähigkeit zu verbessern.

Wichtige Punkte:

🔍 Die meisten Menschen überschätzen ihre kognitiven Fähigkeiten beim Einsatz von KI, insbesondere solche mit hoher KI-Kompetenz.

🤖 Beim Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT haben Menschen oft eine falsche Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten.

📈 Die Studie empfiehlt, dass KI die metakognitive Fähigkeit der Nutzer fördern und tieferes Denken und Reflexion fördern sollte.